Die Messe ist tot – lang lebe die Messe

Die Messe ist tot – lang lebe die Messe

Was für die Monarchie mit dem Spruch „Der König ist tot – lang lebe der König“ schon seit Jahrhunderten funktioniert, gilt auch für die Messewirtschaft. Ist die Zeit des einen Königs abgelaufen, ist gleichzeitig klar, dass es einen Nachfolger geben wird. Genau dieses Sinnbild trifft heute mehr denn je auf die Messewirtschaft zu: Während Messen wie die Cebit ihren Zenit überschritten haben, gibt es neue innovative Messekonzepte, die den freigeräumten Platz wieder einnehmen.

Ist die Messe wirklich tot?

Totgesagte leben bekanntlich länger und diese Redewendung gilt auch für Messen. Laut Zahlen der AUMA, dem Verband der deutschen Messewirtschaft, ist die Zahl der Aussteller und der Standflächen im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Dennoch lassen Meldungen wie das Ende der Cebit immer wieder Vermutungen aufkommen, dass Messen mehr und mehr an Bedeutungen verlieren. Doch das Gegenteil ist der Fall, insbesondere im digitalen Zeitalter gewinnen Messen weiter an Bedeutung. Sei es bei der Suche nach passendem Fachpersonal, Lieferanten oder ganz einfach den neusten Trends – Messen sind ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation.

Warum ist dies so? Messen ermöglichen die direkte und unmittelbare Kommunikation wie kaum ein anderes Instrument. Auch wenn die Digitalisierung viele Prozesse und Ereignisse vereinfacht, so lässt die direkte Kommunikation von Angesicht zu Angesicht nur schwer durch digitale Medien ersetzen. Wie wichtig der direkte Kontakt ist zeigt sich darin, dass über Messen nicht nur neue Kunden oder Lieferanten gefunden werden, sondern auch Mitarbeiter. Der Bereich der Recruiting-Messen hat an Wichtigkeit gewonnen, obwohl es bereits zahlreiche digitale Möglichkeiten gibt, die passenden Bewerber mit den passenden Arbeitgebern zusammenzubringen.

Digital vs. Analog

Bei der Frage, ob die Messe tot ist, wird die Digitalisierung häufig als Grund für eine schwindende Bedeutsamkeit genannt. Dabei ergänzen sich Digitalisierung und Messen: Messen geben häufig erste Impulse, welche dann Online abgefangen und in Kontakte oder Verkäufe umgewandelt werden können. Durch das Erlebnis von Emotionen und realen Kontakten bieten Messen auch außerhalb der Möglichkeiten der digitalen Welt einen nachhaltigen Erfolgsfaktor: Zwischenmenschliche Kommunikation. Durch die Kommunikation mit „echten“ Menschen, ohne technische Hilfsmittel, können Emotionen und Reaktionen besser verstanden und direkt darauf eingegangen werden, als es jeder Algorithmus jemals könnte.

Diese emotionale Ansprache zeigt sich auch in der Teilnahme an Auslandsmessen. Laut AUMA sind im Jahr 2020 vom Bundeswirtschaftsministerium Teilnahmen an über 300 internationalen Auslandsmessen für deutsche Unternehmen geplant. Auch wenn Entfernungen durch den Einsatz von digitalen Geräten und dank der Vernetzung immer unbedeutender werden, zeigt die Teilnahme an Auslandsmessen wie wichtig gerade der persönliche Kontakt ist.

Digitale Messe(stand)konzepte

Dieser emotionale Faktor bedeutet nicht, sich der Digitalisierung zu verweigern, denn insbesondere im Rahmen der Messestandgestaltung haben digitale Inhalte eine wesentliche Bedeutung die den Erfolg einer Messeteilnahme entscheidend beeinflussen können. Durch interaktive Elemente wie digitale Showrooms oder Augmented Reality Anwendungen kann der eigene Messestand weit über die eigentliche Standfläche hinaus Informationen bieten.

Der Messestand ist jedoch nicht der einzige Ort, der dank der Digitalisierung zahlreiche Möglichkeiten und Erlebnisse für den Messebesucher bietet. Auch für Messeveranstalter sind digitale Inhalte wie interaktive Stand- und Hallenpläne wichtig – nicht nur für Besucher, sondern auch für Aussteller.

Die Zukunft der Messen

Das Schicksal der Cebit zeigt, dass sich Messen in einem stetigen Wandel befinden, sich weiterentwickeln und dem gegebenen Trend anpassen müssen. Nur so haben sie es von den Anfängen als Marktstand bis ins digitale Zeitalter geschafft. Gleichzeitig bedeutet die Zukunft der Messen jedoch auch, das immer wieder neue Messekonzepte erfunden werden und sich etablieren – dadurch schafft der Untergang der einen Messe den Platz für eine neue.

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Letzte Änderung am Dienstag, 17 Dezember 2019
Julia Junkersdorf

Mit über einem Jahrzehnt Berufserfahrung im Marketing, verantworte ich bei SEVEN displays den Bereich des Online-Marketings. Mein Herz schlägt für die Messebranche, da sich kaum eine andere Branche innerhalb der letzten Jahre so radikal verändert hat. Insbesondere die Verknüpfung zwischen Online und Offline ist ein zentrales Element meiner Tätigkeit geworden.